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5. Tag der Grünen Band Tour: Tschüss Thüringer Wald – Hallo Frankenwald

Highlights:

  • Waldbühne Heldritt
  • Die beste Eisdiele in Bad Rodach
  • Südlicher geht’s nimmer in Thüringen
  • Was ist bloß los in Poppenhausen?

Leider musste ich heute das gastliche Hotel in Steinach verlassen, denn das Grüne Band rief mich laut und deutlich.

Grünes Band - dicke Titten
Wer ist bloß die Schöne mit dieser properen Oberweite?

Wir fahren, fahren, fahren … mit der Eisenbahn (nicht auf der Autobahn)

Da die technischen Probleme das Hochspielen der neuen Inhalte noch verzögerten, ich jedoch am Nachmittag weiter Druck machen wollte, nahm ich das Angebot der Süd-Thüringischen Eisenbahn dankbar an und fuhr 1 1/4 Stunden durch den Thüringer Wald bis nach Veilsdorf. Ich sparte dadurch 2 ½ Stunden, die ich gut für meinen privaten IT-Crash (mein zweiter Vorname) nutzen konnte. Praktisch betrachtet, war der zeitliche Netto-Gewinn dennoch recht überschaubar…

Grünes Band Hauptbahnhof Steinach
Diesmal fuhr der Zug nicht nach „Nirgendwo“

Die Fahrt im „Zügle“ war hingegen richtig gemütlich. Ich kam mir beinahe vor, als würde ich eine Fahrt mit dem Alpenexpress der SBB unternehmen: bequeme Sitze, Panorama-Verglasung und 1A-Radunterbringung. Nur mit dem Getränkeservice am Sitzplatz haperte es (noch) ein wenig.

Die Waldbühne Heldritt: Seichtes Programm

Im kleinen Örtchen Veilsdorf ist man dem Thüringer Wald entflohen und im Gegensatz zu den Tagen zuvor war es ein sehr gemächliches Dahingleiten in einer hügeligen Landschaft. Als erstes steuerte ich die kleine Waldbühne in Heldritt an – leider war alles verrammelt: keine Proben, keine Schauspieler, kein Applaus – nur das verlassene Theater. Aber immerhin konnte mein CUBE Fahrrad eine Hauptrolle auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ergattern. Wie ich mir das Programm-Heftchen für die 2019er Saison anschaute, waren die Aufführungen nicht unbedingt nach meinem Geschmack – über den sich bekanntlich gut streiten läßt.

Grünes Band Heldritt Radtour
Waldbühne Heldritt: Hauptrolle für mein Fahrrad
Grünes Band Heldritt Radtour
Leider alles verrammelt: Kassenhäuschen Waldbühne Heldritt

Lecker Eis in Bad Rodach

Danach ging es weiter nach Bad Rodach – eines der recht zahlreichen Bäder in dieser Gegend. Bad Rodach ist ein hübsches Städtchen mit der weithin bekannten Eisdiele „La Crèmery“, die wirklich gutes Eis macht. Mit zwei Kugeln in der Hand traf ich auf Nicole und Bernd, die mit ihren beiden alten Rädern der Alpenüberquerung von Michael Kessler auf dem ausgedienten Postrad vom RBB Konkurrenz hätten machen können. Dieses sympathische Paar war auf dem Weg nach Hann. Münden und hatte schon einige hundert Kilometer hinter sich – und noch vor sich. Ich sollte mit meinen elektronischen Wundermitteln herausfinden, wo die Wege ohne Anstiege und (!) ohne Gegenwind nach Hildburghausen führen. Ersteres wäre ja möglich gewesen, aber die zweite Bedingung war schon komplizierter. Mit Hilfe einer netten Dame aus der Gegend konnte den beiden am Ende geholfen werden. Bin gespannt, ob die Strecke dann ohne versprochenen Anstieg war. Die freundliche Unterhaltung und das Eis waren den Stopp in jedem Fall wert.

Grünes Band - Radler radtour
Nicole & Bernd – nicht auf dem Grünen Band unterwegs, aber eine lange Flussradweg-Tour auf zwei alten Drahteseln

Weiter führte mich die Route durch intensiv landschaftlich genutzte Gegenden nach Poppenhausen und zurück an die ehemalige Grenze mit dem Plattenweg.

Grünes Band - Plattenweg
Im südlichsten Zipfel von Thüringen: Alser Grund

Am Alser Grund ist der südlichste Zipfel von Thüringen – heute ist die Stelle eher gewöhnlich und nur das „braune“ Schild an der Bundesstraße erinnert an die deutsche Teilung und deren Ende im Jahr 1990. Bis auf einen Waldarbeiter war es wieder mal sehr einsam auf dem Plattenweg.

Was ist denn los in Poppenhausen?

Aber noch ein Wort zu Poppenhausen: als jesuitisch-versauter Schüler dachte ich ganz spontan, dass das kleine Örtchen Poppenhausen in einem bestimmten Rhythmus swingt, wippt, wackelt – was auch immer. Aber die züchtigen Poppenhauser haben gar nichts gemacht – es war menschenleer. Naja, vielleicht liegt es ja auch daran, dass der Name gar nichts mit Sex zu tun hat… wäre schon überraschend. Ich werde nachschauen, woher dieser ulkige, im gewöhnlichen Sprachgebrauch manchmal eine andere Bedeutung ausdrückende Name stammt.

Grünes Band Poppenhausen
Wer weiß, was es mit dem Namen auf sich hat?

Rainer hatte mir bereits dazu geschrieben. Ich fasse es so zusammen: Ortsnamen kommen häufig von den Berufen der Einwohner oder z.B. dem Namen des oder der ersten Bewohner. Poppo war ein recht gebräuchlicher Vorname im Süddeutschen. Es gibt sogar das passende Buch zu ulkigen Ortsnamen: Die Wahrheit über Pumpernudel – na denn.

Noch ein Turm: der Bayernturm

Nach ein, zwei weiteren Örtchen hatte ich mein heutiges Ziel schon von weither vor Augen: den Bayernturm in der Gemeinde Zimmerau. Und damit würde ich heute wieder in Bayern übernachten, genaugenommen im Berggasthof Bayernturm.

Grünes Band Radtour
Bitte suchen und Bescheid geben…

Dieser Turm – mittlerweile ganz schön in die Jahre gekommen – hatte ähnlich wie die Thüringer Warte in erster Linie den Zweck, sich den Menschen hinter der Zonengrenze etwas näher zu fühlen. Die Aussichtsplattform ist 38 m hoch und von oben wird man mit einem fantastischen 360 Grad-Rundumblick, auch und vor allem Richtung Osten, Richtung Thüringer Wald, belohnt. Im Eingangsbereich finden sich einige interessante historische Dokumente über die Planung bzw. den Bau des Turms. In den Anfängen gab es visionäre (oder extravagante bis überdrehte) Überlegungen, auf dem Turm ein Hotel und ein Restaurant zu bauen. Gruseldinner mit Blick über die Zonengrenze und vielleicht ein, zwei Detonationen in der Nacht. Für diese wilden Pläne hatte sich am Ende jedoch kein Investor gefunden, so dass die Gemeinde kleinere Brötchen backen musste.

Grünes band Bayernturm
Der Bayernturm in Zimmerau

Der Berggasthof Bayernturm ist schon speziell. Er liegt ideal auf einer Anhöhe und bietet auch ohne Turm einen landschaftlich sehr schönen Ausblick von der Terrasse. Herr Spielmann, der Betreiber, beschreibt die Situation sehr sportlich: früher kamen Ladungen voller Reisebusse, um das Gruseln an der Grenze zu erfahren. Es gibt schon lange keine Grenze mehr und so musste er sich um andere Gästegruppen kümmern: Wanderer, Radfahrer, Reiter, Motorradfahrer – da ist er offen und versucht so seinen Platzvorteil zu halten. Für diese Gruppen ist die Gegend ein Traum, insofern schaut man über einige kleinere Unzulänglichkeiten hinweg. Was aber unbedingt gesagt werden muss: In der alten Musikbox aus den 70er Jahren – mit den kleinen Single-Scheiben – stecken ungeahnte Schätzchen, u.a. auch eine Platte mit seiner Mutter, der Jodlerin vom Bayernturm. Leider konnte man sie nicht in Betrieb nehmen, weil im Innenleben defekt war. Aber dafür sollte man wiederkommen – und ich werde ihm aus meiner Kellersammlung von Nr.1-Hits aus den 60er und 70er Jahren einige Singles als „Danke Schön“ schicken.

Neben der Musikbox hängen auch zahlreiche Bilder im Gastraum über das Ereignis der Maueröffnung und zu einer wilden Party von den Nachbargemeinden Zimmerau im Westen und Rieht im Osten. Hr. Spielmann meinte ein wenig melancholisch, dass sich wohl niemand im Winter 2019 finden würde, der nach 30 Jahren erneut so eine tolle Party auf die Beine stellen würde. Über das Hotel findet ihr hier weitere Infos.

Musikbox Grünes Band
Alte Musikbox im Berggasthof Bayernturm
Grünes Band Radtour Bayernturm
Der Senior und Junior vom Berggasthof Bayernturm

Der Tag ging für mich produktiv zu Ende, weil ich endlich einen Fortschritt auf der Webseite sehen konnte und sie in den kommenden Tagen wieder richtig Fahrt aufnimmt.

Grünes Band - Beim Blog
Leuchtendes Tablet ist ein gutes Zeichen 🙂

Ein schöner Abend mit relaxten Pferden

So konnte ich noch mit einigen Mitgliedern der Wanderreiter-Gruppe sprechen, die über Nacht mit 16 oder 17 Pferden inkl. ReiterInnen blieben. Diese ritten nämlich auch das Grüne Band entlang, die Etappen waren verständlicherweise kürzer als meine, aber dafür auf dem Pferderücken. Es war eine organisierte Veranstaltung, die von den freundlichen Menschen vom Havelland-Wanderreit-Team angeboten wird. Es kribbelte ein wenig in Fingern, Schenkeln und Hintern, wenn ich an meine eigene Westernreit-Vergangenheit zurückdenke. Die TeilnehmerInnen ritten entweder ein Teilstrecke von einer Woche oder einige wenige, ganz Wagemutige die gesamte Strecke von Bayern bis Duderstadt mit. Nächstes Jahr gehen sie wieder auf den Trail – vom Harz bis an die Ostsee.

Grünes Band Radtour
Relaxte Morgenstimmung bei den Pferden
Grünes Band Wanderreiter Havelland
Provisorische Pferdekoppel hinterm Hotel
Grünes band Wanderreiter Havelland
Ich wollt‘, ich wär‘ ein Pferd…
Havelland Wanderreiter Grünes band
Namenlos, aber sehr hübsch und aufmerksam

Doch bevor ich am nächsten Tag in die Pedale trat, nahm ich meine Füße in die Hand und bin die 180 Stufen auf den Bayernturm hoch, um mich von der Aussichtsplattform in fast 40 Meter Höhe umzuschauen.

Bayernturm Grünes Band Radtour
Der Berggasthof Bayernturm mit der illustren Pferdeschar der Wanderreiter Havelland
Bayernturm Grünes Band Radtour
Den 360° Ausblick hatte ich frühmorgens für mich alleine

Veröffentlicht in Allgemein

2 Kommentare

  1. Rainer Schulze Rainer Schulze

    Hallo Stefan!

    Als ehemaliger Segelflieger in Hangelar ist mir Poppenhausen ein ziemlicher Begriff: die Firma Schleicher baut dort, in der Nähe der Wasserkuppe, seit 1927 Segelflugzeuge, ziemlich bekannte sogar.

    Mein kleiner Beitrag zu „Wissen rund ums Grüne Band“.

    • Stefan Reeg Stefan Reeg

      Jetzt hatte es mich auch nochmals gefuchst, um etwas zum Namen Poppenhausen herauszufinden. Es stimmt, dass es auf der Rhön dieses Städtchen gibt. Ich bezog mich in diesem Zusammenhang auf den südlichsten Zipfel von Thüringen. Und nein der Name Poppenhausen hängt nicht mit den lockeren Sexual-Sitten der Bewohner zusammen. Namensforscher gehen davon aus, dass vermutlich einer der ersten Bewohner Poppo hieß. Und laut der Schwarmintelligenz war Poppo ein gebräuchlicher Vorname im süddeutschen bis ins 11. Jahrhundert. Dies gilt dann sicher auch für das hessische Segelflug-Städtchen. Danke fürs anfixen meines Sucherdrangs!

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