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Das Grüne Band – Tag 4: Rund um Steinach

Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgiebigen Frühstück durfte ich mich erneut den technischen Problemen meines Blogs widmen – welch ehrenvolle Aufgabe…

Ihr habt inzwischen mitbekommen, dass die anfänglichen Beiträge durch einen Super-GAU verloren gegangen sind. Darum muss ich mich sowohl um das Konfigurieren des Blogs auf dem neuen Server kümmern (zum Glück mit Unterstützung aus dem Norden: die freundliche Christiana Kohn) als auch die aktuellen Beiträge schreiben. Das war ärgerlich, denn ich wollte heute einen faulen Tag einschieben. Daraus wurde nur zum Teil etwas. Am Morgen habe ich die ersten, neuen Beiträge redigiert und für das Hochladen neue vorbereitet. Sollte der Tag aber komplett im Hotel vertan werden? Bei Sonnenschein und Temperaturen bei 30 Grad. Auf keinen Fall!

Ich nahm mir die Komoot App vor und bastelte mir einen zünftigen Sonntagskurs nach Bayern und zurück. Steinach liegt nur sehr indirekt am Grünen Band, das werden die echten Kenner und Puristen sicher schon festgestellt haben. Mich hatte es wegen des Hotels hierhin verschlagen und der Verlockung eines Ruhetages.

Abstecher nach Heinersdorf – Thüringer Süden

Von hier aus sind es ca. 20 Km an die ehemalige Zonengrenze bei Heinersdorf. Dort finden sich ein paar Meter der „Mauer“, ein kleines Museum und das obligatorische Schild, dass die Teilung Europas am 19.11.1989 um 15:08 Uhr aufgehoben wurde. Ich muss mich selber schlau machen, ob dieses Datum auf allen Schildern dasselbe ist, und wenn ja, womit vor allem die Uhrzeit zusammenhängt. Oder ob es je nach Gegend auch unterschiedliche Daten auf diesen Schildern gibt.

Grünes Band Heinersdorf
Im Hintergrund das kleine Grenzmuseum von Heinersdorf
Heinersdorf mit Mauer Grünes Band
Heinersdorf hat noch seine „Mauer“

Hinter Heinersdorf hatte es mich mit dem Kolonnenweg wieder voll erwischt. Es begann erst ganz freundlich und harmlos, aber auf dem Höhenprofil von Komoot war noch ein weiterer steiler Anstieg verzeichnet. Kaum hatte ich die erste Kurve erreicht, ging es steil, sehhhhr steil nach oben – wahrscheinlich übertreibe ich mit 45 Grad-Winkel, aber es erschien mir so. Ich hatte bereits auf der gestrigen Etappe eine ähnliche Erfahrung mit Gepäck gemacht, das war nicht schön. Aber selbst heute ohne dickes Gewicht auf dem Hinterrad tänzelte der Vorbau nervös über das Lochplattenmuster, bis ich an der steilsten Stelle kurz aus dem Tritt kam und – der Mensch kann auch vernünftig sein – abgestiegen bin, um den Rest mühsam zu schieben. Komoot hatte für mich wieder einen echten Mountain-Bike Trail rausgesucht, der allerdings noch besser werden sollte.

Grünes band
Nach Heinersdorf – noch harmlos
Grünes Band Radtour
Jetzt wird es langsam steiler
Grünes Band Radtour
Gefühlte 45 Grad Steigung…

Nichts ging mehr – trotz oder wegen Komoot

Nachdem ich einen Abzweig übersehen hatte, musste dieses Stückchen zurückfahren, dann richtig abbiegen und landete im dichten Unterholz, bis es an einem Maschendrahtzaun nicht mehr weiterging. Wenn ich mir vorstellen würde, dass OHNE Navi-App zu machen – vielen Dank, ich säße vermutlich immer noch irgendwo im Thüringer Wald fest. Auf der anderen Seite hat mich Komoot wieder begeistert, denn die Kartenauflösung ist so gut, dass ich querwaldein (das ist die begriffliche Schwester von „querfeldein“) gefahren bin bzw. geschoben habe. Nach einigen 15 Minuten waren der angezeigte Weg auf dem Display und der tatsächliche in der Natur identisch. Ich war erleichtert und konnte meinen Weg nach Steinach zurück gut fortsetzen – vor allem vor dem anrückenden Gewitter rechtzeitig im Hotel sein.

Grünes Band Radtour
Auf einmal ein Zaun – nix ging mehr
Grünes Band Radtour
EV 13: Endlich eine richtige Ausschilderung für den Iron Curtain Trail

Als Belohnung gab es eine entspannende Sauna-Session inkl. einer Massage. Christine, die Masseurin, hatte einen leichten fränkischen Zungenschlag. Es stellte sich im Gespräch raus, dass sie als Zweijährige mit den Eltern 1990 aus dem Osten ins fränkische Kronach gezogen war und dort sprachlich sozialisiert worden war. Obwohl es wirtschaftlich besser ging als „drüben“, fühlte sich die Familie nicht wirklich aufgenommen oder gar willkommen im Westen. Das fing anscheinend schon mit Hänseleien in der Schule an und setzte sich in vielen Lebensbereichen fort. Christine entschied sich im Jahr 2015, zurück nach Sonneberg zu gehen, weil sie ihrer Tochter nicht die selben Erfahrungen zumuten wollte. Aus ihrer Sicht eine richtige und gute Entscheidung. Aus meiner Perspektive sieht es nach einer Bestätigung der Haltung von Heinz aus, der mir am Tag zuvor von „uns“ und „denen“ erzählte. Das ist wirklich schade, auch wenn ich nur eine sehr, sehr zufällige Wahl meiner Gesprächspartner hatte.

Abendessen in der „Kulinarischen Weltreise“

Am Abend ist mir der wiederholte Verzicht auf eine warme Mahlzeit erspart geblieben. Nicht weit vom Hotel liegt das Restaurant „Kulinarische Weltreise“, eines der wenigen, die am Sonntagabend überhaupt offen haben – so ein Name passt für mich eher in die große Metropole als in das kleine Städtchen Steinach. Nach der traditionellen Soljanka hatte ich ein überbackenes Schweinesteak auf dem Teller, was ich so noch nie gegessen habe – und auch nicht mehr essen möchte. Das Steak war lederhart und in einer Schicht mit Mandarinen, Bananenscheiben und zerlaufendem Käse ertränkt. Da lobe ich mir die Rindsroulade nach Thüringer Hausfrauen-Art, die ich vor zwei Tagen im Bauhaushotel genießen durfte.

Mit diesem Zeilen bin ich fast wieder aktuell. Ich hoffe sehr, dass ich morgen wieder online gehen kann und zumindest die technischen Schwierigkeiten behoben sind. Aus diesen Gründen werde ich meinen Tourenplan ändern. Ich nehme das freundliche Angebot der Süd-Thüringischen Eisenbahn gerne an – der Bahnhof ist vis-à-vis vom Hotel und fahre morgen ein Stück mit dem Zug. Natürlich nicht, um meinen alten Knochen zu schonen, sondern um mehr Zeit fürs Reanimieren meines Blogs zu haben. Einen großen Teil der ursprünglichen Strecke habe ich heute erledigt, denn ich wollte unbedingt ganz in den Süden (also von Thüringen) fahren. Jetzt führt der Streckenverlauf zunächst nach Westen, um dann recht schnell in eine nördliche Richtung einzuschwänken.

Noch ein letztes Wort zu Steinach: Auch hier hat die „Wende“ dem Städtchen ihren – wirtschaftlichen – Stempel aufgedrückt. Früher war Steinach bekannt für eine spezielle Schiefersorte, die hier in große Stile abgebaut wurde. Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben. Außerdem war es ein bekanntes Zentrum der Spielzeug- und Holzschnitzindustrie – heute stehen immer noch viele Holzfiguren in der Stadt (siehe nächster Tag: Ein schönes Mädchen mit properer Oberweite).

Grünes Band Radtour
Pause gefällig: Kleines Eckcafé in Steinach
Grünes Band Steinach Radtour
Abschied vom OutdoorInn Hotel in Steinach

See you later…

Veröffentlicht in Allgemein

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