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Gedenkstätte Deutsche Teilung / Grenzübergangsstelle Marienborn

30 ha Überwachung- und Abfertigungsanlagen

Das Grüne Band führt bei Helmstedt an der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen auch beim ehemaligen Grenzübergang Marienborn vorbei. Wer kennt diese monströse Einrichtung nicht mehr? Jeder, der bis Ende der 1980er Jahre auf der A2 von Westen nach Berlin gefahren ist (oder in umgekehrter Richtung), musste hier vorbei – zur Grenzkontrolle, zur Visaerteilung für die Transitstrecke und für manchmal lange Wartezeiten.

Marienborn Grünes band
Ehemalige Grenzübergangsstelle Marienborn

Als ich im September auf dem Weg von Goslar nach Oebisfelde die A2 passierte, sparte ich mir den Umweg über Marienborn, nicht zuletzt weil ich die Grenzübergangsstelle von früher her recht gut kannte. Im Dezember fuhren wir mit dem Auto nach Berlin und damit war Marienborn nicht nur kein Umweg, sondern es lag unmittelbar an der Strecke. Jetzt wollten wir den Kontrollpunkt noch einmal genauer ansehen und wir nutzten eine ausgedehnte Pause für die Besichtigung der alten Anlage.

Die Geschichte der Grenzübergangsstelle reicht bis zum Sommer 1945 zurück. Im Juli 1945 errichteten die Siegermächte die Alliierte Kontrollstelle Helmstedt/Marienborn. Dies war der Eingang zum einzigen Korridor von Westdeutschland nach West-Berlin. Im Frühjahr 1950 übernimmt die DDR das Kommando über den Kontrollpunkt und führt zwei Jahre später ein striktes Grenzregime ein, vor allem auch um „feindliche Einflüsse“ aus dem Westen abzuwehren. Der anti-faschistische Schutzwall nahm immer weiter Gestalt an, sehr zum Leidwesen aller, die von der Grenze abhängig waren. Nach dem Inkrafttreten des Transitabkommens 1972 entstand eine modernisierte, vor allem viel größere Abfertigungs- und Grenzübertrittsstelle, so wie man sie heute noch besichtigen kann. Nach der Maueröffnung im November 1989 dauerte es (nur) noch bis Ende Juni 1990, dann fielen alle Kontrollen auch hier an der Grenze weg.

Grünes Band Marienborn
Eingang zur Grenzübergangsstelle von der DDR aus

1996 wurde an dieser Stelle die Gedenkstätte „Deutsche Teilung Marienborn“ eingeweiht. In Sachsen-Anhalt gehört sie mit dem Grenzdenkmal Hötensleben zu den bedeutendsten Mahn- und Erinnerungsmalen der deutschen Teilung. Man kann sich auf dem gesamten Gelände frei bewegen und etliche der alten Abfertigungsbereiche (Baracken der Passkontrolle, Wechselstube, usw.) auch von innen besichtigen.

Dauerausstellung: Neueröffnung Sommer 2020

Im Hauptgebäude befindet sich (besser gesagt: befand sich bis vor kurzem) eine Dauerausstellung zur Geschichte von Marienborn und dem langjährigen DDR-Grenzregime. Jetzt fanden wir in dem Gebäude nur noch eine freundliche Mitarbeiterin am Empfangstresen vor, die Postkarten verkaufte und uns erklärte, dass die neue Ausstellung wohl im Sommer 2020 eröffnet würde.

Grünes Band Marienborn
Das Museum wird gerade neu gestaltet – einsame Besucherin im Vordergrund

Auch wenn das Wetter ausgesprochen unwirtlich war, sind wir ausgiebig über das 30 ha große Gelände marschiert und haben uns viele der Abfertigungseinrichtungen und Infotafeln angeschaut. Ziemlich zugig war diese Erkundungstour und immer kühler wurde es, nachdem die Sonne untergegangen war. Damit entsprach das Wetter der düsteren Stimmung, die Marienborn ausstrahlte. Oder verstärkte es sogar.

Grenzübergangsstelle marienborn Grünes band
Gelände der Gedenkstätte Deutsche Einheit Marienborn

Ich erinnere mich noch deutlich an die vielen Male, als ich in Marienborn über die Transitstrecke ein- bzw. ausreiste. Wir waren im Auto immer nervös, um nur ja alles richtig zu machen. Auf der anderen Seite standen die Grenzer in ihren Häuschen, die sich durch strenges und meistens unfreundliche Aussehen (Lachen war verpönt) auszeichneten. Man kam nach einer Art Vorkontrolle im zweiten Schritt zur eigentlichen Passkontrolle, wo man die Ausweise abgeben musste. Nach weiteren strengen Blicken auf die Autoinsassen verschwanden die Pässe in einer kleinen Klappe – zum Glück nicht auf Nimmerwiedersehen. Langsam rückte die Autoschlange weiter vor. Erst wenn ein anderer Grenzer uns missverständlich aufforderte, durfte man zur nächsten Baracke fahren. Dort bekam man dann nach nun dritter, ausführlicher Gesichtskontrolle den Pass mit dem Transitvisa-Stempel ausgehändigt. Danach durfte man schließlich schlangenlinienartig durch die letzten Grenzsperren auf die Transitautobahn Richtung Berlin zurück.

Grünes band Marienborn
Kunst und usseliges Wetter

Der heutige Besuch in Marienborn war „interessant“, das Außengelände ist wegen der Weitläufigkeit beeindruckend, aber auch unübersichtlich. Daran ändert der Übersichtsplan nur wenig. Wenn man den Ankündigungen Glauben schenken kann, wird die neugestaltete Ausstellung dieses Defizit ab Sommer 2020 ausgleichen.

Veröffentlicht in Allgemein

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