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Radweg Deutsche Einheit – Etappe 8: Einbeck bis Goslar

90 Km – 🡭 860 m – 🡮 730 m

Highlights auf der Strecke

  • Saline Salzderhelden
  • Kloster Brunshausen
  • Goslar (Kaiserpfalz, Bergwerk Rammelsberg)

Übernachtung: Hotel Liono (1-: schnuffiges Hotel mit viel Charme, ruhig gelegen, individuell gestaltete Zimmer und das Frühstück ist ein Traum)

Heute ging es von Einbeck nach Goslar. Da hieß es, ein wenig an Harzer Höhenmetern schnuppern, aber nichts Ernstes.

Saline Salzderhelden

Allerdings wollte ich mir zum Start in den Tag noch ein kleines Örtchen anschauen, an dem ich gestern kurz vor Einbeck vorbeigekommen war. Es hat den wundersamen Namen: Salzderhelden – es muss also etwas mit Salz und Helden zu tun haben. Mit Salz eindeutig, da bis Anfang der 1930er Jahre eine Saline betrieben wurde. Es sind noch die Reste zu sehen, leider ist der restaurierte Förderturm vor wenigen Jahren abgebrannt.

Salzspeicher
Restaurierter Förderturm, leider 2020 abgebrannt
Burgruine Salzderhelden

Also Teil 1 der Frage zum Namen ist beantwortet. Teil 2 bezieht sich auf die Burg oberhalb der Saline. Es wird vermutet, dass der neuzeitliche Name aus „Salz an der Halde“ entstanden sein könnte; die Burg hatte wohl die Aufgabe, die wertvolle Salzgewinnung im Mittelalter zu beschützen. Es ist jedoch noch nicht einmal gesichert, ab wann Salz gewonnen wurden. Die Saline wurde erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt, man geht jedoch davon aus, dass mit der Salzförderung schon deutlich früher begonnen wurde. Nachdem meine Neugier mit der kurzen Besichtigung der Burgruine befriedigt war, konnte die Etappe richtig losgehen.

Skulpturenweg auf alter Bahntrasse

Ich wollte einen Abstecher nach Bad Gandersheim machen, um die alten Bahntrasse nach Lamspringe zu nutzen, denn dieses Stück wird als „Skulpturenweg“ bezeichnet und das hatte mich aufhören lassen.

Gandersheimer Dom
Rathaus Bad Gandersheim

Wie viele dieser kleine Städtchen hat auch Bad Gandersheim hübsche Fachwerkhäuser in der Altstadt, außerdem steht dort eine große mittelalterliche Kirche, die im Volksmund wegen der imposanten Ausmaße auch der Gandersheimer Dom genannt wird. Dieser wird im Sommer als Kulisse – ähnlich wie in Worms – für die Freiluft-Aufführungen der bekannten Domfestspiele (heuer war die 63. Festspielsaison) genutzt.

Ab Bad Gandersheim verläuft dann die alte Trasse der Bahnstrecke, an der entlang an 13 Punkten großformatige Kunstwerke aufgestellt sind.

Skulpturenweg
Lauschiges Radeln
Skulpturenweg

Dieses Projekt ist Teil einer längeren Route, die als „Straße des Friedens“ bezeichnet wird. Offen gesagt, das hat mich nicht sonderlich angesprochen, darum bin ich kurz hinter dem Kloster Brunshausen vom Skulpturenweg abgebogen und habe mich über Nebenstraßen und Wirtschaftswege in Richtung Goslar vorgearbeitet.

Kloster Brunshausen
Kunst im Klosterhof
Gäste

Es war ein stetes Auf und Ab, kaum kam ich abwärts auf Touren, bremste der nächste Anstieg bereits wieder meinen Tatendrang.

Über die Hälfte der Tour ist geschafft

30Km, 20km, 9,9Km – Ausdauer ist gefragt

In solchen Fällen muss man nur Ausdauer haben, irgendwann sind es nur noch 30 Km, dann 20 Km und schließlich nur noch einstellige Entfernungen bis zum Ziel.

R1: von London bis Moskau
Kurz vor Goslar: Granetalsperre – sehr wenig Wasser
Schöne Felsformationen

Heute wollte ich unbedingt noch zur Öffnungszeit vom Rammelsberger Bergwerk kurz für Fotos reinschauen. Um 5 Minuten vor 17 Uhr stand ich jedoch vor geschlossenen Toren; eigentlich müsste sogar bis 18 Uhr geöffnet sein.

Ein kurzer Blick auf das UNESCO-Weltkulturerbe: Bergwerk Rammelsberg

Kein Schild, kein Hinweis, kein nichts, warum schon geschlossen war. Durch das geschlossene Tor  bekam ich jedoch mit, dass sich irgendwas auf dem Gelände tat. Zusätzlich fuhren „Park&Ride“-Busse alle naselang auf das eher zentrumsferne Gelände.

Völkerball – die Rammstein-Cover-Band

Neue Fragen, die mangels Antworten offen blieben. Ich machte mich enttäuscht auf den Weg zu meinem Hotel und bemerkte nun wahre Völkerwanderungen schwarzgekleideter Menschen sehr unterschiedlichen Alters. Einen davon knöpfte ich mir vor, um endlich Antworten zu bekommen: es war ein dreitägiges Festival mit der Band „Völkerball“ – bedauernd teilte er mir mit, dass das sonntägliche Konzert ausverkauft wäre. Zum meinem Glück hätte er noch zwei Karten, von denen er mir gerne eine verkaufen würde. Hmm, endlich mal ne Party, ein Konzert, von dem ich immer meiner Frau erzähle, wenn sie fragt, was ich abends auf der Tour vorhätte. Im Laufe des Gesprächs stellte sich dann raus, dass Völkerball DIE Coverband von Rammstein ist – das beeinflusste eine wenig meine Kaufentscheidung, weil ich mit meinen Radklamotten eindeutig zu bunt daherkam.

Goslar – UNESCO-Weltkulturerbe

Dennoch ist Goslar auf dieser Etappe das Highlight, vor allem wenn man etwas über deutsche Geschichte lernen will. Sigmar Gabriel, der ehemalige SPD-Chef, kommt zB aus Goslar. Auch für mich war Goslar die Stadt meiner ganz jungen Kinderzeit, denn meine Ur-Großeltern hatten in Goslar ein angesehenes Fotoatelier. So war ich in den frühen 1960er Jahren häufig für mehrere Wochen im Sommer mit meiner Großmutter bei ihrer Mutter, also bei meiner Ur-Großmutter. Ich erinnere mich noch an „Ausflüge“ an die nahegelegenen Bahnschranken, was für mich immer ein großes Abenteuer war, den rauchenden Dampflokomotiven nachzuschauen. Aber die Stadtgeschichte geht viel weiter zurück und wird u.a. durch das Bergwerk am Rammelsberg bestimmt.

Kaiserpfalz – ohne kaiserlichen Besuch
Am Marktplatz

Goslar war im Mittelalter durch das Silberbergwerk eine sehr reiche Stadt geworden; Fachkräfte für den Bergbau mussten angeworben werden, der Silberhandel blühte, das Handwerk gedieh. Außerdem wurde Goslar im 11. Jahrhundert zu einer der zentralen Pfalzstätten des Heiligen Römischen Reiches auf- und ausgebaut. Stolz wurde es auch das „Rom des Nordens“ genannt, weil es eine der bedeutendsten Städte im Reich war.

Kaiserpfalz im Rom des Nordens

Heinrich II. war begeistert von der Stadt und sein Nachfolger legte im Jahr 1025 den Grundstein zur Kaiserpfalz. Die Kaiserpfalzen stellten die reichsweiten Residenzen der Kaiser und anderer wichtiger Adeliger dar. Die Größe des Reiches führte zu ständigen Reisen auch der Kaiser, um zB Streitigkeiten zu schlichten oder Vorrechte zu vergeben. Seit dem 13. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Goslarer Kaiserpfalz ab, ein Großbrand zerstörte das Bauwerk im Jahre 1289. Von der ursprünglichen Kaiserpfalz ist nichts mehr erhalten. Unter Kaiser Wilhlem I. wurde das Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts umfänglich restauriert, jedoch vielfach ohne jede historischen Bezug, so dass das alte Erscheinungsbild durch neue Gestaltungsmerkmale verloren gegangen ist.

Die gesamte Altstadt von Goslar, das Bergwerk und die Oberharzer Wasserwirtschaft sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Zum Glück: auf dem richtigen (Rad)weg
Mein Lieblingshotel in Goslar
Morgenstimmung über Goslar

Morgen geht es dann in den Osten – bei der ehemaligen Kuranstalt Jungborn trifft der „Radweg der Deutschen Einheit“ auf das „Grüne Band“.

Hier geht es mit der neunten Etappe weiter.

Veröffentlicht in Allgemein

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