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Troll-Tour übers Grüne Band – Teil 3

Die Grüne Band – Wohnwagen-Tour / Frühsommer 2020

Goslar – Regen: 101l / m²

Hatte ich schon berichtet, dass der Mai/Juni 2020 ziemlich feucht und verregnet waren. Immerhin sagte der Wetterbericht für die restlichen Tage in MVP und an der Ostsee eine deutliche Besserung voraus.

Im Harz war noch nichts davon zu spüren: es regnete und regnete – der Regen hing in Goslar bis runter zum Rammelsberg. Insofern war unsere Begeisterung für die Stadt mit gleich zwei Weltkulturerbe-Stätten (Schaubergwerk Rammelsberg und Kaiserpfalz) ein wenig getrübt, als wir nach dem feuchten Harz-Erlebnis in unserer stylischen Unterkunft eintrafen. Wir konnten unseren Wohnwagen gut unter dem hoteleigenen Carport abstellen und das gemütliche Zimmer besänftigte die wetter-bedingte Laune im Minus-Bereich. Das Hotel Liono am westlichen Stadtrand nennt sich „Erstes Boutique Hotel“ in Goslar. Das stimmt sicher, denn ich kenne kein anderes. Abgesehen davon sind die Zimmer wirklich gemütlich und sehr individuell gestaltet – das Frühstück ist einfach ein Traum.

Doch was soll ich um den heißen Brei herumreden: es regnete die beiden Tage, die wir zur Erkundung von Goslar und seiner Umgebung vorgesehen hatten, ununterbrochen, in einer Tour, ohne Unterlass. Darum schränkten wir unser Besichtigungsprogramm stark ein: einmal durch Goslars pittoreske Innenstadt, einmal das Bergwerk am Rammelsberg besuchen – die Kaiserpfalz hatte wegen Corona zudem sehr eingeschränkte Öffnungszeiten. Selbst abends weggehen war eine Herausforderung – sowohl regentechnisch als auch wegen der Covid19-Einschränkungen. Das war schade, denn die Fachwerk-Städtchen im Harz lohnen sich immer für eine Entdeckungstour – sei es mit einer gemütlichen Kaffee- und Kuchenpause oder einer Einkehr fürs Abendessen.

Das Bergbaumuseum am Rammelsberg zeigt die jahrhundertelange Geschichte des Montanwesens in Goslar. Auch einer der Gründe, warum die Mönche in Walkenried ein so prächtiges und wirtschaftlich potentes Kloster hatten und warum die Salier-Kaiser im 11. Jahrhundert hier die Kaiserpfalz als größten Profanbau des deutsch-römischen Reiches errichteten. Wir haben uns die weitläufige Anlage des Bergwerks nur in den Grundzügen anschauen können, da die Corona-Beschränkungen die Besichtigung der Stollen und anderer engerer Gebäudeteile nicht gestatteten. Schon die riesige Außenanlage, welche den halben Bergrücken einnimmt, ist beeindruckend. Und wenn man sich darüber hinaus vorstellt, dass hier fast tausend Jahre über Bergbau betrieben wurde, schaut man mit ganz anderen Augen auf das ansonsten verschlafene Städtchen Goslar.

Grünes Band Rammelsberg Goslar
Panorama des Bergwerks am Rammelsberg
Grünes Band Goslar Rammelsberg
Bergwerksgelände
Grünes Band Goslar Rammelsberg
Außenaufzug

Es regnete immer noch am Morgen unseres Aufbruchs. Hier sind die Regenjacken gefragt, um das Ankoppeln des Anhängers einigermaßen trocken zu gestalten – und dem elektrischen Mover-sei-Dank: das Rangieren des Wohnwagens erfolgt auf Knopfdruck und punktgenau.

Freilichtmuseum und Grenzanlage Hötensleben

Auf nach Hötensleben: Hier gibt es auf der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt und Niedersachsen das Freilicht-Museum Hötensleben mit einer der besterhaltenen und größten DDR-Grenzanlage. Sie erstreckt sich auf einem Areal von ca. 6,5ha und über eine Länge von 350m. Dort kann man sehr gut das ausgeklügelte, tödliche Grenzregime am Todesstreifen nachvollziehen. Einige Infotafeln erleichtern die Orientierung und geben Erklärungen in komprimierter Form – ansonsten heißt Freilichtmuseum, hier gibt es kein Kassenhäuschen, aber auch keinen Kiosk oder Postkartenverkauf.

Grünes Band Hötensleben
Freilichtmuseum Hötensleben
Grünes Band Hötensleben
Freilichtmuseum Hötensleben
Grünes Band Hötensleben Iron Curtain Trail
Viele Namen fürs Grüne Band
Grünes Band Hötensleben
Tödliche Grenzen sind nicht von Dauer
Grünes Band Hötensleben Eriba Troll Rockabilly
Unser Gespann beim Freilichtmuseum Hötensleben

In unmittelbarer Nähe zu Hötensleben liegen der inzwischen rückgebaute Braunkohletagebau Schöningen (inkl. Kraftwerk Buschhaus) und das Paläon. Man kann von mehreren Aussichtspunkten in das riesige Tagebau-Becken schauen, einige alte Maschinen aus der aktiven Zeit des Bergbaus rosten still vor sich hin. Im Erlebniszentrum Paläon werden u.a. acht hölzerne Speere aus der Altsteinzeit (ca. 300.000 Jahre v. Chr.) ausgestellt. Das Museum kommt sehr futuristisch daher, liegt jedoch in einer touristischen Einöde und leidet – unabhängig vom Corona-Lockdown – unter einem ausgeprägten Besuchermangel (und einer zwischenzeitlichen Insolvenz der ursprünglichen Betreiber-GmbH).

Grünes Band Schöningen Tagebau
Aufgegebener Braunkohletagebau Schöningen
Grünes Band Tagebau Schöningen
Altes Gerät vom Braunkohletagebau

Gardelegen – ein bedrückender Ort

Die Gedenkstätte „Feldscheune Ibbenschnibbe“ erinnert an das Massaker durch NSDAP-Mitglieder und SS-Mannschaften sowie Soldaten der Wehrmacht an mehr als 1.000 KZ-Häftlingen während der „Todesmärsche“ in der Endphase des Naziregimes. Die Häftlinge wurden in einer großen Scheune zusammengetrieben und lebendig verbrannt. Diese grausame Tat geschah am 13. April 1945. Nur einen Tag später nahmen Einheiten der US-Armee Gardelegen ein und entdeckten die noch qualmenden Reste der Scheune. Einige der für das Massaker Verantwortlichen wurden an Ort und Stelle erschossen, andere wurden später in den Nürnberger Prozessen verurteilt, einige wenige wie der NSDAP-Kreisleiter Thiele konnten untertauchen. Die Bewohner von Gardelegen wurden von der amerikanischen Besatzungsverwaltung verpflichtet, die Ehrengräber der Ermordeten lebenslang zu pflegen. Das hatte  später die FDJ in der DDR-Zeit übernommen.

Leider hatte sich die Einweihung des neuen Besucherzentrums wegen Corona verzögert, so dass wir dort im strömenden Regen nichts anschauen konnten. Die Einzelheiten zur Gedenkstätte findet ihr im Bericht zu meiner Radtour.

Dobbertiner See

Endlich in MVP angekommen! Der Dobbertiner See gilt als einer der saubersten Seen der Mecklenburgischen Großseenlandschaft – und einer der schönsten obendrein. Nicht weit von unserem Campingplatz liegt das bekannte Kloster Dobbertin. Es war eines der größten Benedikterinnenklöster in Deutschland. Im 16. Jahrhundert erfolgte dann ein langwieriger Prozess der Reformation, der aufgrund des Widerstands der „alten“ katholischen Nonnen nie endgültig vollzogen wurde. 1572 wurde das katholische Nonnenkloster in ein weltliches „Jungfrauen-Kloster“ umgewandelt. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Kloster zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsunternehmen in Mecklenburg. Heute beherbergt die Klosteranlage das Diakoniewerk, die hier Einrichtungen für Menschen mit Behinderung betreiben. Seit Beginn der 1980er Jahre wird die Klosternanlage nach und nach restauriert. 2020 wurde das 800-jährige Bestehen gefeiert (oder sollte gefeiert werden). Soweit die good news, die bad news hingegen lauteten: wegen Corona ist die gesamte Anlage für Besucher gesperrt, die 800-Jahr-Feier fand nur in kleinem Rahmen statt und soll 2021 (?) nachgeholt werden.

Grünes Band Dobbertin
Das Dobbertiner Kloster – allerdings nur im Miniformat

So konnten wir nur den Campingplatz Dobbertiner See genießen – wir haben es zumindest versucht. Leider war unser Stellplatz eher unterdurchschnittlich (viele Dauercamper machen sich auf den „Schokoladen-Plätzen“ breit) und der gesamte Platz atmet mit einer gewissen Piefigkeit nach 30 Jahren immer noch nach der DDR-Vergangenheit. Die Sanitärgebäude und die übrige Infrastruktur sind einfach sanierungsbedürftig. Das kann bei der anscheinend sehr guten Auslastung nicht am mangelnden Geld liegen. Unser Urteil: tolle Umgebung, sauberer See, mittelprächtige Ausstattung auf dem CP.

 

Dobbertiner See
Badestrand des Campingplatz

 

Glücklicherweise bewahrheitete sich die Prognose beim Wetterbericht: Sonnenschein und langsamer Anstieg der Temperaturen. Umzug von Dobbertin nach Kühlungsborn also bei bestem Frühsommer-Wetter.

Kühlungsborn – eine Perle an der Ostsee

Es war so etwas wie ein Kulturschock: Kühlungsborn lebt vom und für den Tourismus – Kühlungsborn hat die längste Strandpromenade und einen der längsten zusammenhängenden Sandstrände der Ostsee (in MVP). Die Bäderarchitektur wird wieder gepflegt und im Sommer ist das Örtchen ein Magnet für Strand- und Sonnenhungrige. Das haben wir auch auf unserem Campingplatz erlebt: parzelliert, durchorganisiert und Warteschlangen beim Bäcker und beim Pinkeln (alles mit Hygienekonzept). Natürlich ist anders, aber wir wollten es in diesem Fall gar nicht anders: der Campingpark Kühlungsborn ist das, was die Werbung verspricht: Luxuscamping an der Ostsee – mit Budget Preis-Parzellen, aber auch mit den ganz großen Grundstücken zum Wohlfühlen (und Angeben).

Kühlungsborn Eriba Troll Rockabilly
Luxuriöser Stellplatz in Kühlungsborn
Kühlungsborn Cafe Baltic
Ehemaliges Café Baltic an der Strandpromenade Kühlungsborn
Kühlungsborn Sandstrand Ostsee
Kilometerlanger Sandstrand
Kühlungsborn Sonnenuntergang Ostsee
Traumhafter Sonnenuntergang an der Ostsee

Wir hatten einen der größeren Stellplätze mit kurzem Weg zum Luxus-Klo und zum feinsandigen Badestrand. Und 1A-Wetter – auch wenn man das bekanntlich nicht fest buchen kann.

Damit sind wir an der Ostsee angekommen, etwas abseits der eigentlichen Grünen Band-Route, die bei Travemünde auf die Ostsee stoßen würde. Allerdings bietet die gesamte Gegend nördlich der A2 in meinen Augen nicht viel Spannendes für das besondere „Grenzerlebnis“ des Grünen Bands, es handelt sich um plattes Land mit weitem Horizont. Aus touristischen Gründen gefällt uns die Seenplatte in MVP deutlich besser, darum haben wir uns für diese „Abkürzung“ entschieden.

Nach einer Woche genussvollem Genießens an der wunderschönen Ostsee ging es in einem Rutsch zurück an den Rhein. Das ist schade, wenn auf einmal alles so schnell vorüber ist und wie in einem Zeitraffer vorbeifliegt. Auf der anderen Seite auch schön, unsere Erinnerungen mit diesm Blog auffrischen zu können.

So long – im September 2020 geht es wieder ganz grenznah über den Mauerweg um das ehemalige West-Berlin herum. Dazu gibt es hier mehr zu lesen: Radtour über den Berliner Mauerweg.

Veröffentlicht in Allgemein

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