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Troll-Tour übers Grüne Band – Teil 2

Die Grüne Band – Wohnwagen-Tour / Frühsommer 2020

Das Wetter – das schlechte Wetter – sollte unser treuer Begleiter bis an die Mecklenburgische Seenplatte bleiben. Nach den beiden gemütlichen Übernachtungen auf dem Stiftsgut Schloss Wilhelmsglücksbrunn sind wir Richtung Norden aufgebrochen, zunächst ein schönes Stück entlang der Werra. Kurz vor dem Ziel haben wir den Fluss links liegengelassen, um einem kräuseligen Sträßchen nach Thalwenden zu folgen. Der Ort ist nicht wirklich erwähnenswert, außer dass es dort einen kleinen Campingplatz gibt: ein Ort im Nirgendwo. Da passten der Dauerregen und die Tatsache, dass der CP-Betreiber kurzfristig wegen ernsthafter gesundheitlicher Probleme ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Campingplatz Bergwiese, Thalwenden (Thüringen)

Wir stellten aufs Neue glückselig fest, dass ein fester Wohnwagen gegenüber einem Zeltwohnwagen große Vorteile hat. Zwar wurden wir beim Aufbau kräftig nass, aber anschließend machte uns die gute Truma-Gasheizung den Troll kuschelig warm. Für ein, zwei Übernachtungen ist der CP Bergwiese in Ordnung – wenn man das „Sanitärgebäude“ näher betrachtet (und vieles andere der Infrastruktur), dann käme für uns ein längerer Aufenthalt nicht infrage.

Grünes band Thüringer Wald
Rainy days
Grünes band Thüringer Wald
Camping Thalwenden: Grüne Hölle im Feuchten
Grünes Band Wandern
Wenn es mal – kurze Zeit – nicht regnet

Thalwenden war für uns der Ausgangpunkt für einige Ausflüge in der näheren und weiteren Umgebung: das Museum im ehemaligen Grenzdurchgangslager Friedland, das Grenzmuseum in Teistungen, die Burgruine Hanstein, ein Stück „echtes Grünes Band“ bei Volkerode, das Gut Herbigshagen der Sielmann-Stiftung und der Bärenpark in Worbis.

Museum Grenzdurchgangslager Friedland

Das Museum in Friedland hatte mich schon im Jahr zuvor fasziniert, da es eine sehr gute Ausstellung über die Geschichte des Grenzdurchgangslagers sowie zu den aktuellen Bezügen von Flucht und Migration beherbergt. Wirklich sehenswert und sehr eindrucksvoll! Das Museum ist im Bahnhof von Friedland untergebracht und liegt an der Zufahrtsstraße zum noch existierenden Lager. Für die Ausstellung benötigt man gut 2 Stunden, vor allem wenn man die Erklärungen zu den Exponaten ausführlicher studiert. Um sich die Beine zu vertreten, ist der Aufstieg zum Heimkehrer-Denkmal lohnenswert: ein bombastisches „Kulturgut“ in Beton – Zeugnis der 1960er Jahre.

Grünes Band Mahnmal in Friedland
Heimkehrer-Mahnmal in Friedland aus den 1960er Jahren

Grenzlandmuseum Teistungen

Das Grenzmuseum in Teistungen zeigt eine sehr gut gemachte Ausstellung über das Grenzregime an der ehemaligen „Zonengrenze“ und setzt interessante Akzente zum aktuellen, politischen Hintergrund. Auch dieses hatte ich 2019 besucht und war sehr begeistert. Im Gegensatz zu einigen „gut gemeinten“ Museen entlang der Grenze hat hier die Ausstellungsleitung exzellente Arbeit geleistet. Es werden einerseits die technischen Details der Grenz- und Sicherungsanlagen präsentiert, aber auf der anderen Seite wird das dramatische Zusammentreffen von Ost und West in diesem unbedeutenden Örtchen in einen sehr klugen Kontext der Weltgeschichte gestellt. Leider konnte ich meiner Frau nur davon berichten, da es wegen der Coronabeschränkungen geschlossen hatte.

Burg Hanstein

Die Burgruine Hanstein ist alleine schon einen längeren Ausflug wert, da sie recht gut erhalten ist. Selbst die jüngere Geschichte rund um die Burg ist dramatisch, weil die Gegend nach dem Kriegsende kurz zum amerikanischen Sektor gehörte, dann durch das Wanfrieder Abkommen im September 1945 kurzerhand in die russische Besatzungszone transferiert wurde. Auch hat die Familie Hanstein vom Antikommunisten und Rennfahrer bis zu Spionen alle möglichen Berufsgruppenvertreter hervorgebracht. Die Ruine konnte während der DDR-Zeit aufgrund der Nähe zur Grenze nicht von der Öffentlichkeit besucht werden. Im Bergfried war in den 1960er Jahren ein Beobachtungsposten des NVA-Truppen untergebracht. Angeblich wurden von den SED-Oberen auch gerne Feste oder Jagdfeiern auf der Burg veranstaltet. Zu Beginn der 00er Jahre diente das Burggemäuer als Kulisse bei einigen Szenen für den Film „Der Medicus“.

Die Burg wird seit Mitte der 1980er nach und nach restauriert. Der Blick in die Umgebung und aufs Werratal ist fantastisch. Schweißtreibend sind in jedem Fall die Stufen zur Turmspitze hinauf 😉

Burg Hanstein
Beeindruckender Blick
Burg Hanstein
Durchblick
Burg Hanstein
Wohnhaus

Das Grüne Band par excellence

Das Grüne Band ist nicht nur ein „Projekt“, welches auf Hochglanzbroschüren prangt und Schulklassen als tolles Beispiel für Naturschutz gezeigt wird. Man findet das „typische“ Grüne Band tatsächlich hier und da noch – am ehesten, wenn man die Strecke zu Fuß oder per Rad erkundet. Nicht weit von Thalwenden liegt das kleine Örtchen Volkerode gerade noch so in Thüringen (von hessischer Seite kann man diese Stelle über das Örtchen Hitzelrode erreichen). Von dort aus gelangt man zu einem wunderschönen und vor allem typischen Abschnitt des Grünen Bandes. Diese Gegend wurde auch wegen der berühmten „Agentenröhre“ (von denen es im Übrigen wohl mehrere gab) bekannt: dies ist ein Betonrohr, welches unterirdisch von der HVA beim „Ministerium für Staatssicherheit“ verlegt worden war, um DDR-Agenten unbemerkt in den Westen und zurück zu schleusen.

Nach einem steilen Aufstieg von Volkerode aus erreicht der Wanderer eine Hochebene, auf der die ehemalige Grenze weithin sichtbar als „Grünes Band“ verläuft. Von Horizont zu Horizont zieht sich eine breite Schneise mit Magerwiesen, lichtem Gestrüpp und einigen Relikten der Grenzanlage. Wenn man den richtigen Abzweig findet, kann man einem Stichpfad zu einer natürlichen Aussichtskanzel folgen. Von dort aus hat man einen großartigen Blick auf das Werratal und Bad Sooden. Alles in allem: der kernige Anstieg mit fast 100 Höhenmetern auf kurzem Stück ist sehr lohnenswert!

Kolonnenweg Grünes Band
Wer kennt nicht diese Plattenstruktur: Kolonnenweg
Grünes Band Volkerode
So sieht es nicht überall aus – typische Magerwiese breitet sich am Grünen Band aus
Grünes Band Wandern
Die Wandersfrau auf dem Grünen Band
Grünes Band Bad Sooden
Blick von der Naturkanzel auf Bad Sooden
Agentenröhre Grünes Band
Die berühmt-berüchtigte Agentenröhre
Grünes Band Wandern
Wo soll’s denn hingehen?
Grünes Band Volkerode
Geistige Einkehrmöglichkeit bei Volkerode

Alternativer Bärenpark Worbis

Der Besuch des Bärenparks in Worbis stellt ein tierisches Kontrastprogramm zum historischen Ausgangspunkt unserer Urlaubsreise dar. Ein Bärenrefugium am nord-östlichen Rande des Eichsfelds ist etwas Ausgefallenes. Es gibt neben dem Bärenpark in Worbis noch eine vergleichbare Einrichtung im Schwarzwald. Beide verfolgen denselben Ansatz: Bären aus schlechter, nicht-artgerechter Haltung in eine natürliche Umgebung zu bringen, wo sie ihre tierischen Instinkte wiederentdecken können. Die Besucher dürfen sich relativ frei auf dem riesigen Gelände bewegen – und die Bären ebenfalls, natürlich in sehr großen Gehegen, die lange Wanderungen in verschiedenartigen Umgebungen ermöglichen. Eine tolle Initiative, um Wildtiere aus Zoos und privater Haltung in die „Natur“ zurückzubringen.

Bärenpark Worbis
Bärenpark in Worbis I
Bärenpark Worbis Grünes Band
Bärenpark in Worbis II
Hässliche Hose
Besucher im Bärenpark: Da rutscht einem glatt das Herz in die Hose…

Gut Herbigshagen

Weiter ging es zum Gut Herbigshagen der Sielmannstiftung in der Nähe von Duderstadt. Wenigstens die Älteren werden die Naturfilme von Heinz Sielmann noch aus dem Fernsehen kennen. Seine Filme drehten sich (im wahrsten Sinne des Wortes) vor allem um Natur- und Artenschutz, um das Wunder der Natur, auch und gerade weil es die „Natur“ gar nicht mehr so häufig gibt. Die Zentrale der Stiftung befindet sich auf Gut Herbigshagen bei Duderstadt. Der Gutshof beherbergt eine kleine Ausstellung, eine Öko-Schulbauernhof, Seminarräume und nicht zuletzt ein Café für die hungrigen Besucher. Ihr solltet nicht die Serengeti auf dem Eichsfeld erwarten – hier ist nicht der Geist von Grzimek zuhause. Der Bauernhof hat keine exotischen Tiere, sondern dort leben ausschließlich alte Haustierrassen.

Nach einigen Tagen hieß es: Weiterfahren. Von Thalwenden ging es im Kurvengeschlängel des Harzes langsam nach Goslar. Eigentlich hätte der Brocken auf unserem Programm gestanden, aber kurz nach dem Einpacken unserer Utensilien auf dem Campingplatz begann ein tagelanger Dauerregen – mal mehr, mal weniger, aber gefühlt fast durchgehend. So haben wir auf der Fahrt nach Goslar nur für zwei Exkursionen angehalten: Ring der Erinnerung beim Örtchen Sorge und Kloster Walkenried.

Ring der Erinnerung

Der „Ring der Erinnerung“ findet seit Jahren ein geteiltes Echo: die einen finden es nichtssagend, die anderen interpretieren Tiefgründiges zum Zusammenwachsen aller Bundesländer hinein. Aber zunächst die Erklärung: In Anlehnung an die überlieferten Hexenkreise im Harz hat der Künstler Hermann Prigann 1993 einen kreisförmigen Wall aus aufgeschichteten Totholzstämmen erschaffen.

Der Ring mit einem Durchmesser von 70 Metern liegt direkt auf dem ehemaligen Todesstreifen, die frühere Grenze führt mitten hindurch. Im Inneren des Kreises ragen fünf Säulen des alten Grenzzaunes mahnend aus dem Boden hervor. Über die Jahre fällt nun das Totholz zusammen und verrottet langsam. Gleichzeitig entsteht wieder neues Leben: Aus dem scheinbar toten Material sprießen junge Triebe hervor und erfüllen den Ring mit frischem Grün. Vergangenheit und Zukunft, Werden und Vergehen – ein Kreislauf, der auch symbolisiert, wie unerbittlich und gleichzeitig vergänglich Grenzen sind. Diese Erklärung ist sehr verkopft, um durch das unmittelbare Erleben solche Gedankenbilder zu bekommen.  Was jedoch vielfach lobend hervorgehoben wird: es stehen Bänke zum Pausieren bereit – das ist nach einer längeren Wanderung eine gute Nachricht.

Da wir auf unserer Wanderung vom Parkplatz in Sorge bis auf die Knochen nass geworden waren, hielt sich die Begeisterung über dieses Naturdenkmal auch in überschaubaren Grenzen. Spannend ist der Spaziergang über den alten Grenzverlauf allemal. Inzwischen ist der Grenzturm auch saniert und steht uneingehüllt in der Landschaft. In Sorge gibt es noch ein kleines Grenzmuseum, welches eher zu den „gut gemeinten“ Ausstellungen gehört.

Grünes Band Ring der Erinnerung
Der Ring der Erinnerung – wo ist er denn?
Grünes Band Grenzturm bei Sorge Kolonnenweg
Kolonnenweg und Grenzturm bei Sorge

Kloster Walkenried

Einmal die nassen Klamotten im Wohnwagen aus- und trockene Sachen übergezogen. Das nächste Ziel hieß Zisterzienserkloster Walkenried im gleichnamigen Städtchen – Zentrum des religiösen und spirituellen Lebens im Harz während des Mittelalters. Die Geschichte des Klosters reicht über 900 Jahre zurück. Im Hochmittelalter begann das erfolgreiche Klosterleben mit der Stiftung eines dritten Zisterzienserklosters durch Adelheid von Walkenried. Die Schwerpunkte der wirtschaftlichen Tätigkeit der Klosterbrüder lagen im Montanwesen – das Bergwerk Rammelsberg in Goslar – und in der Landwirtschaft auf ausgedehnten Ländereien, die bis nach Bayern reichten.

Das Museum ist seit einiger Zeit wegen der Corona-Beschränkungen (wieder) geschlossen; vermutlicher Wiedereröffnungstermin soll im Frühjahr 2021 stattfinden – in jedem Fall sehenswert, da dann auch die sanierten Bereiche des Klosters besichtigt werden können.

Portal der Klosterkirche
Kreuzgang
Relief der Stifterin
Der alte Abt am Aufgang zur Kanzel

Hier geht es zum dritten Teil.

 

Veröffentlicht in Allgemein

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