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Grünes Band 2.0 – oder der Berliner Mauerweg wartet auf uns

Schon lange wollte ich mich zurückmelden, aber die Corona-Zeit brachte mich immer wieder von diesem Vorhaben ab. Eigentlich müsste es eine gute Phase fürs Schreiben sein, denn die stärkere Vereinzelung sollte Muße fürs Denken und Schreiben freisetzen.

Bei mir war das nicht der Fall, vielleicht ist das social distanzing eben gerade keine gute Voraussetzung für kreative Einfälle und Geschichten. Wie dem auch sei: es gibt heute jedoch keinen erklärbaren Grund fürs weitere Aufschieben, denn das „Grüne Band 2.0“ steht vor der Tür.

Mauerweg in Berlin als kleines Radreise-Projekt: Grünes Band 2.0

Im September wollen mein Sohn und ich die kleine Schwester (oder den Bruder) vom Grünen Band in Berlin bezwingen. Der „Mauerweg“ ist sicher hier und da auch grün, passt von der Formulierung jedoch eher zur Terminologie des Iron Curtain Trail. Die Berliner Mauer steht noch stärker als Schandmal der deutschen Teilung oder darüber hinaus der Teilung der Welt in Gut und Böse, in Ost und West während des Kalten Krieges nach 1945.

Viele werden sich an den 13.  August 1961 erinnern, aus eigener Anschauung oder aus Erzählungen der Eltern oder des wiederkehrenden nationalen Feiertages zur deutschen Teilung. Die Geschichte der Berliner Mauer beginnt nicht erst im August 1961. Sie ist eine einschneidende, schikanierende Maßnahme der DDR-Führung (mit Unterstützung der UdSSR), um den schnellen und einfachen Wegzug der DDR-Bürger in den Westen (nämlich mit S-Bahn, Bus oder U-Bahn) zu stoppen. Auf der einen Seite daher ein Endpunkt – aus Sicht der DDR. Für die Mehrzahl der Menschen in Deutschland gleicht der Mauerbau jedoch einem Zeichen der Unmenschlichkeit, der Unfreiheit und eines jahrzehntelangen Leidens. West- und Ostberlin wurden durch die Mauer getrennt. Damit wurde der gesamte Westteil der Stadt, also die drei westlichen Sektoren, durch die weiteren Grenzanlagen im Westen ein- und abgeschlossen. Viele kennen die dramatischen Bilder vom August 1961, wo sich Menschen aus dem Berliner Ostteil in wagemutigen Aktionen noch in letzter Sekunde über die Grenze gerettet haben – und dabei Leib und Leben riskierten. Die Mauer sollte 28 Jahre Bestand haben und das Leben der Menschen entscheidend prägen. Erst nach dem 1972 abgeschlossenen „Grundlagenvertrag“ zwischen der BRD und der DDR gab es deutliche Erleichterungen für Reisen, für Besuche, für Familienzusammenführungen zwischen Ost und West. Normal war das natürlich alles noch nicht. Erst der wirtschaftliche Niedergang und die parallel entstandene Bürgerbewegung in der DDR (sowie mit der Perestroika von Gorbatschow) fiel am 9. November 1989 die Berliner Mauer – was für ein Glückstag für alle Deutschen.

Symbol der deutschen Teilung und Wiedervereinigung

Dieses Symbol der deutschen Teilung und der Wiedervereinigung stand an vielen Orten in Berlin den Entwicklungsplänen Einzelner und der gesamten städtischen Infrastruktur überraschend schnell im Weg. Auf der einen Seite hatten die DDR-Grenztruppen bis Oktober 1990 mit preußischer Gründlichkeit große Teile der Mauer demontiert und Brachen hinterlassen. Genauso schnell schlossen die sich in den „Goldenen Jahren“ der 1990er durch westliche Inverstoren auf der anderen Seite. Erst Anfang der 00er Jahre besann man sich auf das Vermächtnis eines Mauergedenkens, glücklicherweise nicht nur in Form punktueller Erinnerungsorte. Die Idee des „Mauerwegs“ wurde geboren. Michael Cramer, Grünen/AL-Politiker, MdEP, Fahrrad-Aktivist und alter Bekannter aus AL-Zeiten, gilt als Vater, als Erfinder und Organisator des Weges entlang der ehemaligen Grenze rund um West-Berlin. Durch einen Beschluss des Senats wurde die Wegführung 2001 festgelegt, 2007 wurden die letzten Schilder befestigt.

Der Berliner Mauerweg kennzeichnet den Verlauf der ehemaligen DDR-Grenzanlagen zu West-Berlin. Er führt über rund 160 Kilometer um das (ehemalige) West-Berlin herum. In den meisten Abschnitten verläuft die Rad- und Wanderroute entweder auf dem West-Berliner Zollweg oder auf dem Kolonnenweg, den die DDR-Grenztruppen für ihre Kontrollfahrten nutzten. Historisch interessante Abschnitte, in denen sich noch Mauerreste oder Mauerspuren auffinden lassen, wechseln mit landschaftlich reizvollen Strecken, die einfach die Freude am Radfahren wachrufen.

Was erwartet uns?

Der Mauerweg ist gut ausgeschildert; in regelmäßigen Abständen helfen Übersichtspläne bei der Orientierung. Außerdem erhält man an den Stationen der Geschichtsmeile Berliner Mauer sowie den Infostelen des Berliner Mauerwegs Informationen über die Teilung Deutschlands, den Bau und den Fall der Berliner Mauer. An 29 Standorten entlang des Weges wird an die Toten an der Berliner Mauer erinnert. Diese Informationsstelen mit Kurzbiografien der Opfer ergänzen die auf ehemals West-Berliner Gebiet noch vorhandenen historischen Gedenksteine und -kreuze. Der zentrale Gedenkort für die Toten an der Berliner Mauer befindet sich auf dem Areal der Gedenkstätte in der Bernauer Straße.

Kurz die Fakten:

Länge: 160 Km – überwiegend asphaltiert
Höhenmeter: unbedeutend – höchster Punkt: 75m über N.N.
knapp 55 Km durch städtisches Gebiet
durchgängig erschlossen und ausgeschildert

Plan des Mauerwegs in Berlin
Einmal um West-Berlin herum: Berliner Mauerweg

 

 

 

 

 

 

 

Mitte September geht es los – bitte „Daumen drücken“ für gutes Fahrrad-Wetter.

Veröffentlicht in Allgemein

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